Das Aufguss-Ritual
Wenn man in eine öffentliche Sauna geht, sieht man oft diese „Aufguss-Meister“, die mit dem Handtuch hantieren, als wollten sie einen Hubschrauber starten. Bei mir geht es bodenständiger zu. Ein Aufguss ist für mich ein ehrlicher Moment. Es geht darum, die Luftfeuchtigkeit für einen kurzen Moment nach oben zu treiben, damit der Schweiß so richtig läuft. Aber man muss wissen, wie man es macht. Wer einfach nur einen Eimer Wasser über die Steine kippt, der macht den Ofen kaputt und verbrennt sich die Lungen.

Das Geheimnis eines guten Aufgusses liegt in der Ruhe. Man wartet, bis die Steine richtig heiß sind. Dann gibt man das Wasser langsam und in Kreisen darüber. Es muss zischen, aber es darf nicht „knallen“. Der Dampf, wir sagen dazu „der Löly“, steigt dann nach oben und verteilt sich unter der Decke. Erst dann fächelt man ihn vorsichtig mit dem Tuch zu den Gästen runter. Das ist der Moment, in dem die Hitze so richtig in die Haut beißt – aber auf eine angenehme Art.
Meine Regeln für den perfekten Aufguss:
- Qualität des Wassers: Wir nehmen nur frisches Wasser und mischen es mit hochwertigen Extrakten. Billiges Zeug kommt mir nicht auf die Steine.
- Die richtige Menge: Weniger ist oft mehr. Drei Kellen reichen meistens völlig aus, um eine ordentliche Wirkung zu erzielen.
- Das Handtuch: Man wirbelt nicht wild herum. Ein paar gezielte Schläge oder ein sanftes Fächeln reichen aus, um die Wärme zu verteilen.
- Ruhe danach: Nach dem Aufguss sollte man noch zwei Minuten sitzen bleiben und die Hitze wirken lassen, bevor man nach draußen geht.
Ich nutze für meine Aufgüsse am liebsten das, was wir hier in der Region haben. Ein bisschen Fichtennadel für die Atemwege oder im Sommer auch mal Zitrone und Minze für die Frische. Es muss natürlich riechen, nicht wie eine Chemiefabrik. Viele Gäste fragen mich, ob sie den Aufguss selbst machen dürfen, wenn sie die Sauna stundenweise privat buchen. Ich sage dann immer: „Gerne, aber seid vorsichtig.“ Man unterschätzt die Hitze leicht, wenn man selbst am Eimer steht.
Ein richtiger Aufguss ist der Höhepunkt eines Saunagangs. Er öffnet die Poren noch ein Stück weiter und bringt den Kreislauf auf Hochtouren. Aber vergessen Sie danach das Abkühlen nicht! Wer einen Aufguss macht und danach nicht unter die kalte Brause geht, der tut seinem Körper keinen Gefallen. Das ist wie ein Motor, den man im Stand hochjagt, ohne ihn danach wieder abzukühlen. Wenn man es aber richtig macht, dann ist dieses Gefühl nach dem Aufguss, wenn man draußen an der frischen Luft steht und der Dampf vom Körper aufsteigt, unbezahlbar.
